Seit April 2012 arbeitet der Kanton Redange mit dem innovativen Jugendcoaching-Modell Youth4Work, mit dem er in der Region Jugendlichen zwischen 16 und 27 Jahren bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche unterstützt. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor, die einen tieferen Einblick in die Problematik der regionalen Jugendarbeitslosigkeit erlauben.
Dieses Angebot basiert auf dem Prinzip der Freiwilligkeit der Jugendlichen und kann kostenlos von denjenigen in Anspruch genommen werden, die im Kanton Redange wohnen oder hier zur Schule gegangen sind.
Ziel ist es, anhand von Veranlagungen, Stärken und Fähigkeiten der Jugendlichen mit ihnen gemeinsam die nächsten Schritte zu planen und so den erfolgreichen Übertritt ins zukünftige Berufsleben zu ermöglichen. Mit dem individuellen Jugendcoaching soll außerdem ein wesentlicher Beitrag zur persönlichen und sozialen Stabilisierung von Jugendlichen in der Region geleistet werden. Gerade Probleme wie familiäre Schwierigkeiten, Suchtverhalten, Schulden, Wohnungsprobleme etc. erschweren den Zugang zur Qualifikation.
Hier im Kanton sind die Wege noch kurz, die Kooperation mit den vorhandenen Dienststellen ist leicht und unkompliziert - so können wir pragmatisch und schnell unterstützen.
Gemäß der Adem sind im Moment 149 Jugendliche im Kanton Redange arbeitslos. Da sich nicht alle Jugendlichen bei der Adem melden, rechnet Ariane Eberwein, Leiterin von Youth4Work, mit einer Dunkelziffer von ca. 15%.
Sie verfügt über 184 Kontakte zu Jugendlichen in dieser Region, 41 von ihnen haben das Programm bereits erfolgreich verlassen, indem sie eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle gefunden haben. Die Erfolgsquote ab dem Moment, in dem der Jugendliche einwilligt, an dem Coaching teilzunehmen, liegt bei 88%. Weitere 33 Jugendliche haben ihr persönliches Ziel definiert und suchen, begleitet von Youth4Work, intensiv einen Arbeitgeber. Weitere 13 Jugendliche sind in der Orientierungsphase, 18 haben kürzlich erst Kontakt aufgenommen. 40% von diesen 184 Jugendlichen sind Schulabbrecher, 12% Langzeitarbeitslose.
Ariane Eberwein erläutert: "Oftmals sind es vorübergehende Probleme, die zu einer schwierigen persönlichen Situation führen. Manchmal müssen Strukturen im Umfeld geändert, Möglichkeiten für eine positive Lösung dieser Probleme oder ein Angebot für besondere Qualifizierungsmaßnahmen gefunden werden. Unter Umständen brauchen die Jugendlichen auch mehr Zeit, um Wissenslücken zu schließen oder psychologische Unterstützung. Jeder Jugendliche ist in seiner Situation anders. Ja, das individuelle Coaching ist zeitintensiv. Bis zu einer Lösung kann ich einen Jugendlichen dreimal oder 25-Mal sehen. Es ist jedoch eine der effektivsten Formen, um nachhaltig zu unterstützen, wissend, dass die Übergänge zwischen Schule und Beschäftigung sich zunehmend entstandardisieren und sich die Probleme diversifizieren. Deshalb berücksichtige ich die sozialen Strukturen ebenso wie die individuellen Handlungsmöglichkeiten. Dies schließt meiner Meinung nach eine alleinige Defizitorientierung ebenso wie eine simple Arbeitsmarktintegration als Strategie aus. Hierzu einige Zahlen: 30% der Jugendlichen haben ein geringes Selbstvertrauen, jedem Vierten fehlen elementare soziale Kompetenzen, jedem Fünften fehlen Sprachkenntnisse, 20% der Jugendlichen haben Schulden oder finanzielle Sorgen, jeder Zehnte stellt fest, dass er / sie sich beruflich falsch orientiert hat, 15% der Jugendlichen werden von ihren Familien nicht unterstützt, 8% der Jugendlichen haben innerhalb ihrer Familie so massive Gewalt erlebt, dass sie psychologische Hilfe brauchen. Fünf Jugendliche haben keinen sicheren Wohnsitz."